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11. Oktober 2008, 20:41

«Wahlkampfzentrale Daily»: die Geister, die ich rief…

von Rudolf Amstutz

Der verrückteste Wahlkampf aller Zeiten hat alle Tage wieder Überraschungen auf Lager. Neben der Tatsache, dass Sarah Palin nun doch ihre Macht als Gouverneurin von Alaska verletzt haben soll, versucht John McCain die Geister, die er rief, im Zaum zu halten.

Normalerweise ist doch alles während eines Wahlkampfes nur Gerede. Die einen sagen dies, die anderen das Gegenteil. Nur dieses Mal ist einiges anders. Der Kulturkampf zwischen dem Amerika von Gestern und jenem von Morgen steckt gehässig in der Gegenwart fest. Es ist ja interessant, dass ausgerechnet Sarah Palin bei ihren Wahlkampfauftritten jeweils fragt, wer denn nun dieser Barack Obama überhaupt sei. Sie scheint dabei zu vergessen, dass bis vor wenigen Wochen kaum jemand ihren Namen gekannt hat. Jetzt weiss man zumindest jeden Tag etwas mehr über die Machtverhältnisse in Alaska, einem Staat, der im Rest des Landes exotischer wirkt als die mongolische Steppe.

Sarah Palin, so ein Untersuchungsausschuss in Alaska hat ihre Macht als Gouverneurin missbraucht. Sie hat zwar kein Gesetz verletzt, als sie den Polizeichef feuerte, der wiederum ihren Ex-Schwager nicht entlassen wollte, aber sie hat alle Möglichkeiten ihres Amtes ausgenutzt, um Druck auszuüben. So hat sie etwa ihrem Ehemann Todd Palin vollen Zugang zu Personal und Räumlichkeiten gewährt. Wie ein Alaska-Korrespondent im Fernsehen berichtete, sei dies ein Beispiel mehr dafür, wie es dem Ehepaar Palin Mühe bereite, privates und berufliches Leben voneinander zu unterscheiden. In der Tat wurden mittlerweile auch E-Mails von Sarah Palin konfisziert, weil sie einige Regierungsgeschäfte mit Hilfe ihres Mannes und via ein kostenloses Yahoo-Konto abgewickelt haben soll.

Aber eigentlich ist dies alles nur ein müdes Lächeln wert, neben der Hetzkampagne auf gefährlichem Gebiet, die die McCain-Kampagne in den letzten Wochen betrieben hat. Teilweise waren an Anlässen Ausrufe von Wählerinnen und Wählern zu hören, die Erinnerungen an den Lynchmob früherer Tage wachwerden liessen. Gestern Freitag musste John McCain erstmals die Geister, die er rief, an einem Townhall-Meeting in Minnesota in die Schranken weisen. Dies und de Analyse dazu im folgenden Beitrag aus der «Rachel Maddow Show» des Nachrichtensenders MSNBC. Mehr über die Wahlen in den USA jeden Tag in der «Wahlkampfzentrale Daily» und im Dossier «Die Wahl – Amerika quo vadis?» in der aktuellen Ausgabe von TheTitle.

 

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