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12. Dezember 2008, 21:11

Heiratshilfe vs. Pseudometal

von Markus Schneider

12.12.2008 / 10:15 Uhr: Es haben sich «The Women» dann wirklich als sehr doof erwiesen. Wass eigentlich egal wäre, wenn es sich dabei nicht um das Remake der wirklich grossartigen gleichnamigen Screwball-Komödie von George Cukor handeln würde. Dort gibt es scharfe, bissige, lustige Dialoge, die prachtvoll, wie es der Genrename will, hin und her geworfen werden. Im Neuen nun traben die Frauen gefühlig und ehrgeizig durch den Film, der entscheidende Showdown ist ganz ausgespart und wenn man denken würde, der in den Dreissigern noch irgendwie festverankerte Klassendünkel werde hier nun in irgendeiner Form gebrochen oder wenigstens ironisiert, der wird auch enttäuscht. Gegen die akademisch gebildeten, aus altem US-Geldadel stammenden, mal eben eine (tatsächlich sehr schicke, beste Szene des Films) elegante Modelinie aus dem Boden stampfenden Society-Frauen gibt es nur treuherzige Aschenbrödels als Hausboten oder Ladenmädels als schrille Sexbiester auf der Suche nach einem Mann mit Platin-Karte. Dass sich die Welt der Klassen nicht weiter verändert hat – soit. Dass aber auch Filmemacher, als irgendwie kulturell interessierte Kultur- oder wenigstens Kunsthandwerkschaffende so flach denken. Das ist schon recht unschön. Dass man da auch ganz ohne Witz auskommt und das Update vermutlich darin gesehen wird, dass man sich mit den Worten «Ich kann Nägel aus einem Brett saugen» anpreist und der besten Freundin beim Gebären zuschaut. Plötzlich ist der Film dann aus. Und es bleibt der in jeder Weise unvorteilhafte Verdacht, das sei alles ernst gemeint, also im Sinne vage humoriger Lebens- und Liebeshilfe wie in «Sex & the City» und solchart Fiktionen. Dass dies in den USA sowieso immer Heiratshilfe heisst, ist dabei noch nicht mal das albernste in diesem Filmchen.

 

Danach irgendwie lustig sentimentalistischer finnischer Pseudometal von Lapko in der komischen Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg, laut, lärmend, verheult und gross gefühlt. 25 Zuschauer, die Hälfte sehr junge enthusiastische Frauen. Später in Kreuzberg wurde im Club 39 dann ein Prachtband mit Ankündigungsplakaten aus der 20-jährigen Geschichte meiner kleinen, verranzten Bar um die Ecke vorgestellt, die meist auf vorübergehende DJ-Namen und gefakte Anlässe und billigst gefälschte Szenen aus Welt und Werbung hinwiesen, in die sich die frisurentechnisch furchtlosen Betreiber hineinkopierten. Sehr lohnend, so albern wie die Bar improvisiert, die damals eröffnen musste, weil die Originalbesetzer-Bar zwei Eingänge weiter sich zu einer nicht so tollen, legalen Bierschenke vergrössert hatte.

 

Entsprechend und sehr ungewohnt voll war es jedenfalls vor dem kleinen Tresen und sogar Caspar Brötzmann, einer der tollsten Gitarristen der Welt und Sohn der teutonischen Axt-Legende Peter, war da, schön wie immer, und ist jetzt offenbar Vater. Während er in den letzten Jahren immer eher an Projekten mit etwa Sibylle Berg arbeitete, probt er nun wieder mit der Band, also Massaker. Das ist schön.

 

17:36 Uhr: Den Mittag etwas zerstreut nach Gedanken zu Fennesz gesucht und Glitch-Theoretisches in einem sehr hilfreichen Sammelband des Wire-Magazins namens «Undercurrents» gelesen, wo der Autor Rob Young von Thoreau über Attali zu Deleuze scharfe Geschütze auffährt, um vor allem den Gedanken weiterzutreiben, dass Oberflächen umso leichter zu deterritorialisieren seien, je glatter sie sind – also vor allem auf den Ursprung im Fehler, Zufall und Schaden zu verweisen bei Leuten wie den Pionieren von Oval. Fennesz allerdings arbeitet doch eher konstruktiv, mit Harmonien und Melodien – jedenfalls in Andeutung. Er komponiert, nur eben mit Material, das anderswo für schadhaft gehaltern wird.

 

Später kräftig beim Basketball rackern kann nicht schaden. Carmelo Anthony von Denver nacheifern, der gestern den Rekord von 33 Punkte in einem Viertel aufstellte.

Eine Reaktion zu “Heiratshilfe vs. Pseudometal”

  1. gywrgi schrieb am 05 Mai 2010, 15:09

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