14.12.2008 / 2:00 Uhr: Am Freitag, noch vorm Basketball, wo ich definitiv Carmelo Anthonys Rekord nicht gefährden konnte, noch im Postfuhramt, zur Eröffnung der, sagen wir mal: monumentalen Austellung des Fotografen Wolfgang Wesener, alias Wowe. Weil wir seit ungefähr zwanzig Jahren bekannt sind und er zuvor schon für die Spex fotografiert hat (ein legendäres, sehr wundes Titelbild von Blixa Bargeld, etwa), kenne ich recht viele der Sachen, die nun auf den beiden ausgiebigen Ebenen der c/o berlin hängen, die das gründerzeitlich stattliche Postfuhramt des auf die Post fixierten Gründerzeit-Architekten Carl Schwatlo auf der Oranienburger Strasse seit zweieinhalb Jahren als Fotogalerie benutzt.
Die Ausstellung heisst «Essence» und zeigt ungefähr das Gesamtwerk der letzten 25 Jahre. Es handelt sich dabei ausschliesslich um Porträts, manchmal im gefaket spontanistischen Duktus seiner frühen New Yorker Zeit in den mittleren Achtzigern, wo er als Hausfotograf für angesagte Szeneläden wie das «Area» Celebrities wie Haring, Basquiat oder Warhol fotografierte. Ziemlich bekannt geworden ist aus dieser Zeit ein s/w Bild mit einem jointhaltenden William Burroughs, der neben einer gut gelaunten pummligen Brunetten sitzt, aus der später Madonna wurde.
Im «Area» war ich sogar auch einmal, 1984, alles war mit überdimensionierten Waschmittel-Packungen dekoriert, vielleicht weil Warhol immer mal vorbeischaute. Nicht natürlich, als ich da war, so dass ich auch der einzige bin, der zu Lebzeiten Warhols in New York war und trotzdem die Warhol-Anekdote nicht erzählen kann, wonach wer im Aufzug dem Künstler auf den Fuss tritt, sich entschuldigt und zur Antwort bekommt: «Don’t be sorry, be careful.»
Wolfgang habe ich auch nicht gesehen, weil ich ihn ja noch nicht kannte. Aber er hat Warhol fotografiert, in einem der natürlich nicht völlig spontanen Schnappschüsse im Club, wo man selbstverständlich um Erlaubnis bitten musste. Und wiederum später in Farbe, Silberperücke vor strahlend dunkelblauem Hintergrund, gehängt als mehrere Streifen Kontaktabzüge, die nebeneinander laufen. Warhol guckt starr und das Künstliche und Gestellte und Gesuchte mit den kraftvollen Farben im Hintergrund wurde das Markenzeichen der Gesichter, die wie der Katalog bemerkt, eben gerade nichts über ihre Gesichtsbewohner verraten, gleich ob sie konkrete Bezüge zu deren Schaffen herstellen oder, wie etwa beim Wasserstoffbombenerfinder Edward Teller, ein herzliches Gartenidyll mit Hausdame zeigen.
Viele Bilder sind fürs Magazin der FAZ entstanden, das nicht zuletzt für die Qualität eben der Bilder bekannt war, bis es 1999 eingestellt wurde. Das Ganze hat natürlich auch einen gewissen hofmalerischen Effekt, und allein die schiere Zahl der Celebrities aus Kunst, Kultur und Küche (wie, besonders super: Kochlegende Paul Prudhomme aus New Orleans) würde ganz ohne den sehr eigenen, kühlen Blick schon genug Respekt rechtfertigen.
Nebendran, viel kleiner, sehr anders aber ebenfalls mit hohem Wiedererkennungseffekt, «Insight», die Nachtlebenbilder des US-Fotografen Jerry Berndt, die das Flüchtige, das Verwaschene, das Verstörte und Zerstörte der Nacht zeigen. Bin natürlich etwas durchgeeilt, weil ich von den Wowe-Bildern ganz geschafft war und dann zu fremdeln begann. Angeblich sollen an die tausend Leute in der grossen Empfangshalle gewesen sein, wo offiziell eröffnet wurde. Zum Tanz hat dann der Hell aus München aufgelegt.
Interessant, was man in der Stadt noch so findet. Nach dem Basketball mit einer Freundin und deren liebeskranker Freundin ein bisschen Bars kontrolliert und mitten im Prenzlauer Berg, wo es eigentlich keinerlei Ausländer, ausser an Universitäten lehrenden Amerikanern, gibt, auf pralles Balkan-Nightlife gestossen. In ein Café hinein, eine komische Treppe runter in einen niedren Keller – und da tanzte man dann kreischend zu den melodisch verdrehten (genau: melismatisch auf dem Ton eierenden) Balkan-Beats. Haarige Männer, haarige Frauen, auch mir stand postbasketballfönbedingt die Krause vom Kopf ab, so dass ich wohl gut passte. Sogar auf die Tanzfläche habe ich mich spät ziehen lassen. Vielleicht auch, weil der coole Keeper bis sechs mit Wein und Wodka um sich warf. Die anderen blieben aber viel länger.
Und am Samstag trotzdem beim ziemlich coolen Peter Fox gewesen. Und dort war es so: Artikel lesen
Das interessante Experiment: Morgens um drei, nach mehr als einem Jahrtausend mal wieder Kate Bush hören, «The Kick Inside». Hatte mich auf ihrer ersten Deutschlandtour verliebt. Zu jung, ach.














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