21.1.2009 / 9:23 Uhr: Jetzt ist es also amtlich: «Wir haben die Hoffnung der Furcht vorgezogen!» Genau. Toll! Und ziemlich unfassbar.
Auch wenn wir hier nicht verschweigen wollen, dass einige schon sehr pragmatisch damit umgehen. So etwa, zu sehen in der Village Voice von letzter Woche, ein Hersteller auf der «Adult Entertainment Expo», der gleichmal Head-of-State-Vibratoren ins Sortiment nahm, die ein bisschen aussehen wie in meiner Kindheit die Pez-Bonbon-Spender mit Donald- oder Mickymaus-Kopf. Grösser natürlich.
14:32 Uhr: Übrigens hab ich am Wochenende beide Staffeln «Californication» angesehen. Kam irgendwie nicht mehr fort davon, von dieser Gleichzeitigkeit von Oberflächkeit und Zynismus, Sex und Drogen – und dieser toller-Vater-Nummer und der unwahrscheinlichen, ganz reizend herbei gelogenen, unstoppbaren Liebe zwischen Duchovny und McElhone. Bald werde ich mir wohl auch so einen Midlifecrisis-Porsche kaufen müssen.
17:00 Uhr: Gar nicht einfach, eine ordentliche Blog-Kontinuität hinzukriegen. Hing allerdings ein wenig privaten Phantasien hinterher einerseits, und musste mich blind oder beruflich rumtreiben andererseits. Da geht Disziplin schnell verloren und, wie jeder Psychologe bestätigen kann, etablieren sich Gewohnheitspfade durchs Gehirn erst nach ungefähr einem Jahr – weshalb das auch die Einheit für gelungene Suchtabstinenz ist. Allerdings rauche ich jetzt seit anderthalb Jahren schon nicht mehr, und ich habe immer noch dauernd Lust darauf. Was sieht denn besser aus, als sich im Dämmer einer Lieblingsbar eine Zigarette aus der wunderschön grünen P&S-Packung zu ziehen. Eine prima Sucht…
Was auch der Grund ist, warum man sich keine Sorgen machen muss, wenn die neue Ex-Freundin einem auch nach vielen Monaten noch immer mal durch den Kopf geht. Vor allem, wenn man wie ich gestern Winslet und DiCaprio in «Revolutionary Road» gesehen hat. Und sich denkt, dass der Herzbruch eine allemal romantischere Krankheit ist als der schleichende Tod jeder Leidenschaft, Liebe und Zukunft. Zu schweigen von den grauen Katastrophen, die daraus folgen.
Das neue Album von Animal Collective läuft, das heisst eigentlich zirpt und surrt es, scheppert, orgelt und trommelt, brutzelt, summt, säuselt und trällert aus Nebeln. Nett. Mit Antonys Neuem ging das Jahr eh schon gut los und wie seine Stimme sich gegen fahrlässige Identitätsfixierung wendet, so weigern sich auch Animal Collective ihren Sound irgendjemandem zum leichten Zugriff anzubieten. Was natürlich auch eine coole Strategie ist, last.fm- und sonstige-Ähnlichkeitsfetischisten in die Irre zu führen: Klingt wie: Alles, haha. Weirdfolk-Easylistening-Beachboys-Variation, so entfugt gedacht wie bei TV on the Radio, die aus den selben Gründen gut sind.
Da denkt man gar nicht, dass es der Popmusik so schlecht geht, wie das am Wochenende drei Tage lang auf einem Berliner Kongress namens «Dancing with myself» verhandelt wurde. Den darzustellen müsste ich weiter ausholen, was ich vielleicht auf die eine oder andere Weise noch tun werde (ungefähr wie hier: Artikel lesen)
Immerhin gab es, neben vielen anderen amüsanten, kämpferischen oder resignierten Einlassungen auch – als Zitat eines jungen Kollegen aus der FAZ - die forsche Identitätsforderung zu hören, man möge zugleich iPhone und Entwicklungsland sein. Think about it.
Natürlich wirken die Apparate bereits oft als Mindextensions und dem eigenen Begehren sich wie einer Reise in ferne Länder - geheimnisvoll, wunderbar, aber auch gewalttätig, prekär, korrupt - zu öffnen, ist eine schöne Idee, die mir gut gefällt. Ich weiss aber grade gar nicht, ob er es so gemeint hat.
18:32 Uhr: «I’m disgusted with my life and myself, but I’m not unhappy about it.» Hank Moody, «Californication».














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