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20. Mai 2009, 22:35

Abigfolln – Hin gwössn

von Markus Schneider

Seltsamer Satz in der Theweleitschen Hendrix-Biographie: «Ob er mit Brigitte Bardot eine Affäre hatte – egal.» Also: Entweder man verzichtet ganz auf biographische Motive jenseits der reinen musikalischen Lehre. Oder man wird sich darüber klar, dass es in keinem Leben – und schon gar nicht in den in Frage kommenden Jahren 1966 bis 1970 egal sein kann, ob man mit einer der ikonischen Figuren der Ära verbandelt ist. Oder? Gerade unter theweleitschen Aspekten kann man sich doch überlegen, ob es irgendein (Künstler)leben gibt, in dem Affären keine Auswirkungen aufs Schaffen haben, und dass doch genau der körperliche Lust- und Begehrensmoment entscheidend in einer Rockkunst wie der von Hendrix ist.

Dazu liest man auch nicht unausführlich in Daniel Schreibers schöner Susan-Sontag-Biografie. Dort kann man lernen, wie sich gerade aus Affären, Kontakten und Beziehungen eine Existenz förmlich akkumulieren lässt. Das geht soweit, das Leben als Schriftstellerin und Autorin nicht zu wählen, weil man glaubt, etwas zu sagen zu haben. Sondern im Gegenteil hofft, es werde einem mit der Daseinsform eine Botschaft oder ein Inhalt gleichsam mitgeliefert.

Schreibblockaden am besten durch Schreiben bewältigen.

Mit Freude mich zum Theatertreffen geschleppt, wo ich die großartige Gewinner-Performance im «Weibsteufel» des Burgtheaters bzw. Martin Kusejs der gesamtkonzeptuell großartigen Birgit Minichmayr gesehen habe. Tolle Stimme, beeindruckende Körperlichkeit. Die mich in diesem Jahr auch im «Knochenmann» schwer beeindruckt hat. Hat ja auch den Darstellerinnenpreis der Berlinale bekommen («Alle anderen», Maren Ade).

Im Programm vom «Weibsteufel» gibt es ein paar Gedichte des Autoren Karl Schönherrs, den ich nicht kannte, der aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Dramatiker in Österreich scheinbar so populär und angesehen wie Schnitzler war, mit dem er auch den gelernten Beruf als Arzt teilte. Später offenbar nazifreundlich, obwohl er mit einer Jüdin verheiratet war.

«Weibsteufel», mit seinem abweisend massiven und sturen Bühnenbild aus schweren, ineinander gestürzten Eichenstämmen, war ganz prachtvoll über Macht, Manipulation und Patriarchat. Und die Bestätigung des Rihanna-Verdachts: «Easy for a good girl to go bad – and once we’ve gone, there’s belief we’ve gone forever.“» Inklusiv dem drohenden Appell, «You better learn how to treat us right».

In einem ländlichen Schönherr-Bergsteiger-Gedicht steht dann folgende überzeugende Kadenz:

Aufigstiegn

Spöck gössn

Abigfolln

Hin gwössn

Nachher zu Little Boots ins Berghain.

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