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31. Mai 2009, 19:29

«Was Mann will»

von Markus Schneider

Mit Werder hat ein korrekter Verein den DFB-Pokal gewonnen. Kann man nicht meckern, sympathischer Club, schicke Leute wie Diego oder vielleicht bald Özil, coole tätowierte Brummbären wie Frings und nette Gickelchen wie Tim Wiese, der einer dieser Leute ist, bei denen man nicht sicher ist, ob sie nur auf diese sacht provinzielle Art metrosexuell sind, oder durch eine gewisse altmodische Gender-Renitenz verhindern wollen, dass sie im homophoben Kickerumfeld geoutet werden. Süss ja auch Jogi Löw, wie er immer seinen Schal elegant um den Hals geschwungen hat und jetzt für einen Creme-Hersteller wirbt: «Was Mann will.» Fussballer, die Kosmetik-Werbung machen sind sicher ein richtiger Schritt. Doch bevor jetzt wer beleidigt reagiert: Natürlich gibt es keine schwulen Fussballer.

Draussen tobt trotz Unwetter, Blitz und Hagelsturm wieder der Eventirrsinn. Karneval der Kulturen, tagelang. Griesgram der ich bin, kann ich auch dieser ethnophilen Variante des Festwagen- und Umzugsrummels nicht viel abgewinnen. Folklore ist mir auch eher gleich, und so bin ich froh, gleich zu einer Party beim Nörgelwirt eingeladen zu sein, auf der ganz bescheiden das 30-jährige Bestehen einer Beziehung gefeiert wird, die beinahe buchstäblich im Sandkasten begonnen hat, also mit ungefähr dreizehn oder vierzehn, und alle Krisen, Umzüge und Kinder überstanden hat. Toll. Und die Musik wird super sein.

Ein bisschen unheimlich sind diese Langstrecken natürlich auch, wo man sich doch an das etwas abgebrühte Lebensabschnittsbegleitungskonzept gewöhnt hat mit seinen psychologiestatistisch gesicherten anderthalb- oder drei- oder siebenjährigen Rhythmen.

Bezauberndster musikalischer Neuzugang zu Pfingsten: Eine junge Britin namens Speech Debelle mit jazzig-luftigem Unplugged-Hip-Hop, die vor allem den Mainstream-Hip-Hop noch ein bisschen älter aussehen lässt, als er sich intellektuell und ästhetisch meist präsentiert. Dabei ist ja das neue Eminem-Album schon recht gut – nur eben von den Beatvariationen zwischen Dubstep, Cumbia und Baile Funk ebenso überholt wie von der Wirklichkeit der prekären sozialen Verhältnisse. Em scheint nur noch ein Durchschnittsneurotiker zu sein, die mediale Öffentlichkeit präsentiert sich ja bis weit in die seriösen TV-Sender als eine Art Jerry-Springer-Dauerschlaufe.

Wobei man nicht oft genug darauf hinweisen kann, dass einer wie Kerner noch einen Zacken ärmlicher daherkommt als die Kosmetikfachfrauen und Fahrlehrer, die bei den Privaten moderieren. Neulich hat er ein paar Zauberer im Studio gehabt und sich wie ein kleiner Junge gefreut. So offen und aufgeschlossen und unvoreingenommen und zum Staunen über die Wunder der Welt bereit.

Fast so bezaubernd wie Speech, und ebenso unerwartet: Eine sehr kleine, in Richtung des liebenswerten Islamisten Grand Puba nickende, Gesangseinlage DOOMs (ehemals MF Doom) am Ende seines aktuellen Albums: Falsch gesungen, zurückhaltend, provisorisch, ganz harmlos nett und menschenfreundlich. Was für eine Erleichterung inmitten des Geschreis und Getues der Eventwelt. Stand aber alles auch schon sehr angezeckt bei Debord.

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