11:09 Uhr: Noch fehlt ein bisschen das Wetter – aber vor ein paar Wochen habe ich mir das Dub-Album zu einem der allerschönsten Reggae-Alben der Geschichte bestellt, das eben jetzt nebenher läuft und wie erhofft sehr schick ist: Bunny Wailer: «Blackheart Man», bzw. «Dubd’ sco Vol. 1 & 2». «Battering down sentence, fighting against conviction.»
Eher deprimiert hätte ich die letzten Tage verbracht, weil ich im Alter wetterfühlig werde und das Wetter eins der schlechtesten ist. Doch während Verliebtheit und Sex das Leben natürlich schwer optimieren können, sind auch Sport und Arbeit nicht zu vernachlässigen. So war ich vorgestern nach dem Laufen bei Tosca, dem Dorfmeister-Downbeat-Duo mit Rupert Huber. Das war zwar etwas langweilig, aber sehr schmerzfrei und angenehm, dass ich nicht richtig meckern will. (Weil mir alles von zuviel Basketball und Rumtreiben weh tat und die anästhesistischen Beats grade recht kamen.) Es war auch in der Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche, an deren Klinkermauern ich immer nur vorbeigefahren bin, die aber sehr hübsch ist, sehr hoch und daher akustisch sehr geeignet. Die Visuals waren mir ein bisschen zu ambientig, wie auch die Sounds. Aber eigentlich war’s nett.
So wie auch am Tag drauf, sonntags abends, im Schloss Charlottenburg, wo – jemand, den ich kenne, spielte Geige – ein Kammerorchester Stücke aus dem 17.Jahrhundert spielte, und lustigerweise las ein GZSZ-Schauspieler dazu aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Fritz the Cat, ah nein, Friedrich, dem Grossen, natürlich, von dem es auch ein paar sehr genreverpfichtete Nummern zu hören gab. Tolle Geigenarbeit natürlich und eine interessante Nummer Rameaus, mit eigenartigem, dunkel adagiösen Schlussatz. Aber danach in die so genannte Schafskälte (der Kälteeinbruch, nachdem die Schafe schon geschoren sind. Gut, dass mein Friseur Urlaub hatte), dass kaum der Riesling schmecken wollte. (Dann aber doch der Gesellschaft wegen toll, naturgemäß.)
23:48 Uhr: Vorher «Obsessed» mit Beyoncé besprochen und für ungut befunden. Aber an «Peanuts» gedacht, Charlie-Brown-Jazz und pubertäre Präpotenz, Siebziger, schön. Gruss an den grossen Kürbis.
Zum Tod von David Carradine (sie sterben wieder wie die Fliegen, die Guten, in diesem Sommer): Beruhigend, dass es wohl doch ein - wenn auch solipsistischer, tragischer - Sexakt war. Bei Bangkok musste ich natürlich an Chilton denken: «Here´s a little song, that´s gonna please you, bout a little town down in Indonesia: Bangkok», dazu drogenverseuchte, leierende Schrammelgitarren. Wieviel tolle Musiker sind in den Siebzigern in Bangkok abgedreht!
Das Tollste allerdings, muss man jetzt doch nach dem zweiten Hören sagen: «Les Feuilles Mortes» alias «Autumn Leaves» von Iggy Pop, ein Chanson, nach Art Yves Montands, man glaubt es wirklich kaum. Klingt andererseits nach einem schönen Chanson von Orson Welles: «I know what it is to be young, but you don´t know what it is to be old.» Seufz.














Das mit Carradine ist wirklich eine Schande, aber es war kein Sexakt! Es war ein Attentat der Eliten, das nur nach einem Unfall aussehen sollte:
http://klarseher.wordpress.com/2009/06/09/david-carradine-ein-opfer-der-eliten/
Wir sollten die guten Dinge in Erinnerung behalten.