Beim Van Dyke Parks Konzert letzte Woche, der einzige Auftritt in Deutschland, erzählte Parks, der große Arrangeur und Erforscher von Hollywood- und Volksmusiken Amerikas, wie er 1968 mit seinem ersten Album vor dem Chef seiner damaligen Plattenfirma Warner stand. «Es heißt also ‹Song Cycle», habe der gesagt. «Und, wo sind die Songs?» Eine durchaus auch heute vorstellbare Haltung in den großen Firmen gegenüber hochkomplexer Musik. Das schöne, aber tatsächlich nicht eben eingängige, und verspielte Album wurde dann auch ein völliger Flop. Am Ende, habe ich gerade gelesen, verschenkte es die Firma sogar.
Parks war sichtlich gerührt und betonte immer wieder, wie er damit gerechnet hätte, dass keiner kommt und jetzt sei die ganze schöne Kreuzberger Passionskirche voll. Zwischen den Stücken der zahlreichen Zugaben trabte der winzige Mittsechziger immer wieder strahlend und händeschüttelnd von der Bühne durchs Publikum auf die Strasse und zurück. Und spielte zum Dank an dem schönen Flügel ein Stück von Scarlatti. Zuvor hatte er bereits ein Gedenkstückchen, «Sailing Shoes» an Lowell George gerichtet, den großen, dicken Mann der Südstaaten-Rocker Little Feat, der 1979 mit nur 34 an einem Herzinfarkt starb und mit dem Parks ebenso gearbeitet hat wie mit Randy Newman, dessen Appeal sich mir allerdings nie erschloss (und dem er mit der Produktion des ersten Albums einen fast so nachhaltigen Flop wie sich selbst beschert hat).
Little Feat dagegen mochte ich gelegentlich recht gerne. 1978 habe ich von der Zeitschrift «Sounds» das Live-Doppelalbum «Waiting for Columbus» als Aboprämie bekommen und freute mich an Stücken wie «Fat Man in the Bathtub», dem «Apolitical Blues» (the telephone was ringing, they told me it was chairman mao/ you can tell him anything, cause I just don’t wanna talk to him now), den er als gemeinsten Blues überhaupt besingt, am komischen weißen Funk von «Dixie Chicken» und den Hippieballaden wie «Willin’». Bald würde ich die Band zugunsten von Punk, New Wave, Soul und – interessanterweise – Hard Bop eher verleugnen.
Als Spezialist für ausgefeiltes Singer/ Songwritertum schrieb damals für «Sounds» (später natürlich auch für «Spex») übrigens Detlef Diederichsen, später eine Hälfte der Synthiepopper Die Zimmermänner und heute musikalischer Leiter im Berliner Haus der Kulturen der Welt, in dessen musikalischem Beirat auch Van Dyke Parks sitzt, weshalb Herr Diederichsen – so deutete er es mit hörbar ramponierter Stimme, ja beinahe aphon, auf dem Konzert der ziemlich durchgeknallten Südafrikaner BLK JKS in der renovierten Volksbühne an – eine umtriebige Woche mit Herrn Parks verbrachte.
In dieser Woche richtet Detlef Diederichsen an seinem Haus das Worldtronics-Festival aus, das wie immer interessante musikalische Szenen zwischen globaler Elektronik und lokaler Musikproduktion präsentiert – prächtig durchgeknallter Synthiepop aus Jakarta, Neo-Cumbia aus Mexiko, Kolumbien und Argentinien, türkische Drone-Musik und eine interessante Elektro-Oper, für die experimentelle Musikerinnen wie die Britin Kaffe Matthews mit einer japanischen und deutschen Kollegin per Skype ihre interessanten Väter zusammenbrachten und auf Video festhielten. Am Rande eines Interviews über seine Kuratoren-Arbeit erzählte er vom Chihuahua seiner Freundin, der eine Waise des 11. September sei. Sie habe unbedingt helfen wollen, aber als Nicht-Amerikanerin durfte sie nicht einmal Blut spenden, so paranoid war das Klima. Da erfuhr sie von den herrenlosen Tieren und holte die Chihuahua-Dame aus einem Tierheim in der Bronx.
Interessante Wahl meiner Hausärztin zur Malaria-Prophylaxe für einen wesentlich strandorientierten Urlaub: Ein anerkannterweise exzellentes, aber in Deutschland nicht dafür zugelassenes Antibiotikum, das die wahrscheinliche Nebenwirkung Photosensibilität hat, weshalb vom Aufenthalt in der Sonne abgeraten wird.














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