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	<title>TheBlog.</title>
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	<description>die beilage zum kulurellen überformat</description>
	<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:02:32 +0000</pubDate>
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		<title>Von Weisen und Waisen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:02:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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Beim Van Dyke Parks Konzert letzte Woche, der einzige Auftritt in Deutschland, erzählte Parks, der große Arrangeur und Erforscher von Hollywood- und Volksmusiken Amerikas, wie er 1968 mit seinem ersten Album vor dem Chef seiner damaligen Plattenfirma Warner stand. «Es heißt also ‹Song Cycle», habe der gesagt. «Und, wo sind die Songs?» Eine durchaus auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>Beim Van Dyke Parks Konzert letzte Woche, der einzige Auftritt in Deutschland, erzählte Parks, der große Arrangeur und Erforscher von Hollywood- und Volksmusiken Amerikas, wie er<span id="more-209"></span> 1968 mit seinem ersten Album vor dem Chef seiner damaligen Plattenfirma Warner stand. «Es heißt also ‹Song Cycle», habe der gesagt. «Und, wo sind die Songs?» Eine durchaus auch heute vorstellbare Haltung in den großen Firmen gegenüber hochkomplexer Musik. Das schöne, aber tatsächlich nicht eben eingängige, und verspielte Album wurde dann auch ein völliger Flop. Am Ende, habe ich gerade gelesen, verschenkte es die Firma sogar.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Parks war sichtlich gerührt und betonte immer wieder, wie er damit gerechnet hätte, dass keiner kommt und jetzt sei die ganze schöne Kreuzberger Passionskirche voll. Zwischen den Stücken der zahlreichen Zugaben trabte der winzige Mittsechziger immer wieder strahlend und händeschüttelnd von der Bühne durchs Publikum auf die Strasse und zurück. Und spielte zum Dank an dem schönen Flügel ein Stück von Scarlatti. Zuvor hatte er bereits ein Gedenkstückchen, «Sailing Shoes» an Lowell George gerichtet, den großen, dicken Mann der Südstaaten-Rocker Little Feat, der 1979 mit nur 34 an einem Herzinfarkt starb und mit dem Parks ebenso gearbeitet hat wie mit Randy Newman, dessen Appeal sich mir allerdings nie erschloss (und dem er mit der Produktion des ersten Albums einen fast so nachhaltigen Flop wie sich selbst beschert hat).</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Little Feat dagegen mochte ich gelegentlich recht gerne. 1978 habe ich von der Zeitschrift «Sounds» das Live-Doppelalbum «Waiting for Columbus» als Aboprämie bekommen und freute mich an Stücken wie «Fat Man in the Bathtub», dem «Apolitical Blues» (the telephone was ringing, they told me it was chairman mao/ you can tell him anything, cause I just don’t wanna talk to him now), den er als gemeinsten Blues überhaupt besingt, am komischen weißen Funk von «Dixie Chicken» und den Hippieballaden wie «Willin’». Bald würde ich die Band zugunsten von Punk, New Wave, Soul und – interessanterweise – Hard Bop eher verleugnen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Als Spezialist für ausgefeiltes Singer/ Songwritertum schrieb damals für «Sounds» (später natürlich auch für «Spex») übrigens Detlef Diederichsen, später eine Hälfte der Synthiepopper Die Zimmermänner und heute musikalischer Leiter im Berliner Haus der Kulturen der Welt, in dessen musikalischem Beirat auch Van Dyke Parks<span> </span>sitzt, weshalb Herr Diederichsen – so deutete er es mit hörbar ramponierter Stimme, ja beinahe aphon, auf dem Konzert der ziemlich durchgeknallten Südafrikaner BLK JKS in der renovierten Volksbühne an – eine umtriebige Woche mit Herrn Parks verbrachte.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>In dieser Woche richtet Detlef Diederichsen an seinem Haus das Worldtronics-Festival aus, das wie immer interessante musikalische Szenen zwischen globaler Elektronik und lokaler Musikproduktion präsentiert – prächtig durchgeknallter Synthiepop aus Jakarta, Neo-Cumbia aus Mexiko, Kolumbien und Argentinien, türkische Drone-Musik und eine interessante Elektro-Oper, für die experimentelle Musikerinnen wie die Britin Kaffe Matthews mit einer japanischen und deutschen Kollegin per Skype ihre interessanten Väter zusammenbrachten und auf Video festhielten. Am Rande eines Interviews über seine Kuratoren-Arbeit erzählte er vom Chihuahua seiner Freundin, der eine Waise des 11. September sei. Sie habe unbedingt helfen wollen, aber als Nicht-Amerikanerin durfte sie nicht einmal Blut spenden, so paranoid war das Klima. Da erfuhr sie von den herrenlosen Tieren und holte die Chihuahua-Dame aus einem Tierheim in der Bronx.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Interessante Wahl meiner Hausärztin zur Malaria-Prophylaxe für einen wesentlich strandorientierten Urlaub: Ein anerkannterweise exzellentes, aber in Deutschland nicht dafür zugelassenes Antibiotikum, das die wahrscheinliche Nebenwirkung Photosensibilität hat, weshalb vom Aufenthalt in der Sonne abgeraten wird. </span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>Der Mofafahrer der Apokalypse</title>
		<link>http://blog.the-title.com/2009/11/13/der-mofafahrer-der-apokalypse/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 19:46:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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Als gestern nacht die Welt unterging, sah das sehr malerisch aus. Mit «2012» beweist sich Roland Emmerich als oberster Apokalyptiker des Kinos. Allerdings – das ist ja jenseits der Gemäldeschinkenebene sein Problem – kann er einfach nicht böse sein. Noch in der bittersten Katastrophe siegt beinahe kategorisch der moralische Imperativ und statt sich selbst zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>Als gestern nacht die Welt unterging, sah das sehr malerisch aus. Mit «2012» beweist sich Roland Emmerich als oberster Apokalyptiker des Kinos. Allerdings <span id="more-201"></span>– das ist ja jenseits der Gemäldeschinkenebene sein Problem – kann er einfach nicht böse sein. Noch in der bittersten Katastrophe siegt beinahe kategorisch der moralische Imperativ und statt sich selbst zu zerfleischen, wie es macchiavellistisch angedacht wird, mündet alles in humanistischer Solidarität. Selbst der Tod des Oberfieslings wird noch als Opfer für die Kinder entschärft, statt ihn einfach als reine Rachefantasie zu zerquetschen. Hieronymus Bosch wird er so nicht. Aber geschenkt: Emmerich kann nicht raffiniert erzählen, die Botschaft gutmenschelt unangenehm, aber die Bilder sehen total super aus und alles geht sehr amtlich und laut kaputt. Wie die Strassen aufbrechen! Wie die Berge einstürzen und die Landschaft sich gewaltig aufbäumt! Wie die Flammenkugeln durch die Luft bomben und in die schmerzbrüllende Erde schlagen! Ah, und unsere tollen Städte, nur noch berstendes Glas, platzender Asphalt, knickender Stahl. Und dann verschluckt das Meer noch die höchsten Berge. Seufz.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Übrigens habe ich mal mit Roland Emmerichs netter Schwester Ute, die heute nicht nur für ihn produziert, freundlich gekifft, damals zu Schulzeiten, als sie eine Klasse unter mir ins Gymnasium ging und ich sie, aus einem meiner extrem seltenen, rätselhaften Kiffbedürfnisse heraus in der Discothek anschnorrte. Den Emmerichs gehörte eine Kleinmotorenfabrik, von der die komplette baden-württembergische Jugend mit Mofas ausgestattet wurde. Bis auf mich. Ich musste Fahrrad fahren.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Tags zuvor haben mich Grizzly Bear ein wenig enttäuscht. In Williamsburg sollten sich die jungen Progfolkies – alles schicke bis grandiose Bands wie die Dirty Projectors (die mich bei ihrem Auftritt neulich komplett und wunderschön veriwrrt haben) – mal wieder mehr mit Melodien beschäftigen, statt sich darauf zu verlassen, die eleganten und intelligent verschichteten und verschachtelten Songbögen, Arrangements und Tönungen würden schon genügen und den Rest erledigen rhythmische Gewagtheiten und ADS-Sprünge. Dem ist, wenn man’s mal kapiert hat, nicht so. Vielmehr geraten sie womöglich bald in die Spuren unglücklicher Prog-Bands, die man nicht umsonst in die Giftschränke der Siebziger gepackt hat.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Neulich bei den MTV – European Music Awards fand ein leicht verstimmter Jay-Z es nicht so cool, dass man ihm, der immerhin erfolgreicher als Michael Jackson und Elvis ist, nur den Preis fürs Urban-Segment zudachte. Was bekanntlich ein Euphemismus für schwarz ist. Wäre doch toll, meinte er, wenn es irgendwann mal nur um Musik gehen würde.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Christoph Gurk, ehemaliger Spex-Kopf, der in den letzten Jahren das ausgezeichnete Musikprogramm der Volksbühne besorgte und von Animal Collective über Antony zu Sunn O))) viel holte, was ungewöhnlich und richtungsweisend war, hat aufgehört und ist ans Hebbel am Ufer gewechselt. Heute abend wird die frisch renovierte Musik-Volksbühne neu eröffnet, mit einem neuen Kurator, Christian Morin, der sich mit den BLK JKS aus Südafrika und ein paar anderen nicht ganz von der Hand zu weisenden Acts eine lange Nacht zur Einstimmung gönnt. Angekündigt leider auch für demnächst: Frisurengeiger Nigel Kennedy. Die hundert Tage laufen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Jazzfest war übrigens auch, und es war in seiner altmodischen Jazz-Zentriertheit eigentlich recht hübsch, wie in der </span><a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1110/feuilleton/0004/index.html" target="_blank">Berliner Zeitung</a><span> nachzulesen ist.</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>«Am Tannhäuser Tor»</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 21:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[
Vorgestern abend im Slumberland las Paul Beatty aus seinem gleichnamigen Buch, das in einer etwas fiktionalisierten Version der Kneipe am Winterfeldtplatz in Schöneberg spielt, die seit Mitte der Achtziger Bahamas- oder-Bermudas-Sand am Boden liegen hat. Er liegt noch immer da. Paul las das hübsche Kapitel, wie sein Jukebox-Sommelier DJ Darky als ersten Jukebox-Track «Stolen Moments» [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>Vorgestern abend im Slumberland las Paul Beatty aus seinem gleichnamigen Buch, das in einer etwas fiktionalisierten Version der Kneipe am Winterfeldtplatz in Schöneberg spielt, die seit Mitte der Achtziger Bahamas- oder-Bermudas-Sand am Boden liegen hat. Er liegt noch immer da. <span id="more-192"></span>Paul las das hübsche Kapitel, wie sein Jukebox-Sommelier DJ Darky als ersten Jukebox-Track «Stolen Moments» von Oliver Nelson erwählt. Und ich habe mich stolz daran erinnert, dass ich ihm einst das Impulse-Album zum Stück geschickt habe.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wo hier trüb und kalt der Herbst übers Land zieht, sinkt mir die Stimmung und ich werde missgünstig und nackensteif. Vielleicht sollte ich die Idee meines Physiotherapeuten aufnehmen und meine Aura mit Salbei reinigen. Einfach ein Büschel von der Terrasse schneiden, anzünden und mit dem rauchenden Puschel durch die Wohnung hüpfen, schon klärt sich der Lebenskrampf auf. Allerdings erinnere ich mich daran, wie der – fachlich ausgezeichnete – Physiotherapeut und Ostheopath einmal mit Hut und schwerem Mantel auf dem Fahrrad von einem Schamanenlehrgang angeradelt kam, was mich noch mehr verstörte als die Kabbalabücher, Riesenamethysten und Fachliteratur zu Astrologie und Handlesekunst in seiner Praxis.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Beim Wiedersehen von «Blade Runner» neulich: «Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen euch nicht träumen könnt. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Dinge werden verloren sein in der Zeit wie Tränen im Regen.»</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ich bin ganz melancholisch geworden dabei und habe mir Reisen zu den vermuteten Hügeln der Venus oder einem Meistersinger-Kap ausgemalt. Aber dann musste ich lernen, dass es das Tannhäuser Tor gar nicht gibt. Schade.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Letzte Woche beim prima Konzert von Ryuichi Sakamoto verliess ziemlich schnell, fast fluchtartig, Joe Jackson den Raum. Er wohnt ja seit längerem als offizieller Nikotinflüchtling in Berlin-Kreuzberg, wo ihn meine gottseidank raucherfreundliche Lieblingsbar immer wieder gerne aufnimmt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Anderswo hetzte gerade wieder der angeblich provokante, eigentlich nur knorrig reaktionäre Ex-Lokalpolitiker und Bänker Thilo Sarrazin gegen arabische Ausländer und Kopftuchmädchen. Und Guido Westerwelle, unser homosexueller Vizekanzler, fuhr – mittlerweile ein Youtube-Hit – einen BBC-Journalisten an, man sei hier in Deutschland und antworte also auch auf Deutsch.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Unten am Platz hängt dagegen immer noch das Wahlplakat der Linken, das fröhliche Gesicht von Gregor Gysi, unter dem «Reichtum für alle» steht. Komisch, dass er trotz dieses tollen Plans nicht gewonnen hat, sondern alle (knapp 47 Prozent) wieder ihr Kreuzchen bei König Ströbele gemacht haben, dem Ex-RAF-Verteidiger, der seit gefühltem Anbeginn der Zeiten gütig über unseren verwahrlosten Alternativbezirk herrscht.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Gestern brach Keith Jarrett, Giftzwerg und prätentiös-empfindlicher Klaviergott, in der Philharmonie sein am Ende durchaus angenehmes Konzert nicht ab, obwohl gehustet wurde, ein Handy leutete und am Schluß sogar einer fotografierte. Ganz unerklärlich euphorisch bin ich daraufhin nach getaner Arbeit heute aus dem Haus, und habe mit der guten Laune sogar die Bedienung im Café zum Lächeln gebracht.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>«Wir haben wirklich ein sehr schönes Leben!» sagt ein James Spader in drag, in der neuen Staffel «Boston Legal». «In der Tat, in der Tat», antwortet ihm der alzheimerkranke Danny Crane. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span> </span></span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
]]></content:encoded>
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		<title>«Wir werden weiser werden…»</title>
		<link>http://blog.the-title.com/2009/09/29/%c2%abwir-werden-weiser-werden%e2%80%a6%c2%bb/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 12:59:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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Man muss sich mal überlegen, dass Deutschland jetzt von einer Frau und einem Schwulen regiert wird. Wer hätte früher gedacht, dass es sich dabei um CDU und FDP handelt. Du liebe Güte.



Ausgerechnet FDP, deren Klientel, Banken und Wirtschaft, ja ganz allein für die derzeitige Krise verantwortlich sind. Andererseits: Radikal asoziale, kämpferische Wohlhabende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE-CH"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE-CH"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE-CH"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Man muss sich mal überlegen, dass Deutschland jetzt von einer Frau und einem Schwulen regiert wird. Wer hätte früher gedacht, dass es sich dabei um CDU und FDP handelt. Du liebe Güte.<span id="more-182"></span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ausgerechnet FDP, deren Klientel, Banken und Wirtschaft, ja ganz allein für die derzeitige Krise verantwortlich sind. Andererseits: Radikal asoziale, kämpferische Wohlhabende – warum sollte es davon nicht 15 Prozent geben in einer kapitalistischen, insgesamt geldfreundlichen Gesellschaft wie der unsren. Ein gutes Argument gegen Quotenregelungen: Klasse schlägt jedes andere Identitätsmerkmal.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Vor ein paar Tagen beschrieb Holger Liebs in der Süddeutschen höchst anschaulich und amüsant eine TV-Elefantenrunde zur Bundestagswahl von 1980. Helmut Schmidt sei gegenüber Kohl extrem unfair, aber brillant gewesen. Klar, der konnte Kohl ja gar nicht ernst nehmen, wie er immer so gegen den Knödel in seinem schwergewichtigen Mund kämpfen musste. Kein Zweifel, wenn man sich die derzeitigen Politdarsteller anschaut, kann man schon sehr nostalgisch werden.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Sonntagnacht dann die philsophische ZDF-Runde zur Wahl beim eigentlich netten, wie immer anthrazit/grau gekleideten Volker Panzer mit dem länglichen Intellektuellen-Wallhaar, zu dem mir komischerweise immer der «Paul-Panzer-Blues» der Ton Steine Scherben einfällt, vielleicht der härteste aller Kapitalistenhasser-Songs der TSS, die man vielleicht jetzt mal wiederhören sollte. Thea Dorn wirkte etwas CDU-freundlich, der Rest, Moritz Rinke und ein Kabarettist, der eine schlechte Westerwelle-Imitation abgab, aber sonst ganz gut wirkte, eher so normal kritisch, beim amüsanten, knorrigen Kapielski weiß man nie ob er seine Knorrigkeit ernst meint. Situativ reaktionär ist er auf jeden Fall, aber das kann man unter Umständen durchaus verstehen, auch wenn man es nicht gern sich selbst gestattet. Ganz unsituativ grundsätzlich FDP-affin dagegen Ulf Poschardt, den ein Freund von mir zu seinen Vanity-Fair-Zeiten immer Super-Ulf nannte, und der jetzt tatsächlich neben Welt am Sonntag auch noch die beiden grossen Mainstream-Musikblätter Rolling Stone und Musikexpress leitet; und den Metalhammer, worauf er immerhin stolz genug ist, als Mailadresse ulf at metalhammer anzugeben. Die gehören alle Springer, wo man als Chef der Wochenzeitung offenbar nicht ausgelastet ist. Poschardt – promovierter DJ-Experte, Tom-Kummer-Erfinder, Weltwoche-Sportwagentester und bei Vanity-Fair glücklos – grinste die ganze Zeit rätselhaft überheblich (vielleicht weil er letztes Mal ganz korrekt den Aufstieg der Linken vorgesagt hatte) und sah interessanterweise, schwerer geworden als vor vier Jahren, noch mehr aus wie CSU-Fiesling Markus Söder.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Neulich bei der Lesung der wie stets hoch charmanten Heike Melba Fendel, die ein offenbar recht elegantes Buch voll nüchtern-melancholischer Miniaturen zum Geschlechterverhältnis geschrieben und von zehn Frauen und einem Mann vorlesen lassen hat (alle recht bekannte Schauspieler, weil sie ja die entsprechende Agentur Barbarella leitet): Die Stärke der Frauen folgt der Härte der Männer.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Die harten Typen von Rammstein haben jetzt tatsächlich ein Pornovideo zu ihrem Song «German Pussy» gedreht. Man kann es auf einer, gerade von der aktuellen Ausgabe des Musik-Magazins für elektronische Lebensaspekte, De:bug, naja: porträtierten Pornoseite begutachten. Die hässlichen Rammsteinleute treten darin, wohl mit Bodydoubles, mit Sixpacks und dicken Schwänzen auf und nehmen hübsche junge Frauen ran. Deutsche Fahnen gibt es auch. Angeblich soll damit irgendwas kritisiert werden. Aber eigentlich wird nur sehr ausführlich und detailliert getan, was das Genre verlangt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Yoko Ono sagte mir: «Wir werden weiser werden, das heißt freier, und wir werden eine unglaubliche Welt schaffen. Wir haben zum Beispiel Stammzellen, und wir können Klone bauen aus einem einzelnen Haar. Viele interessante Dinge geschehen. Sie dagegen konzentrieren sich auf etwas, das nicht passiert. Glauben Sie mir. Denken Sie immer daran, was auch immer Sie denken oder tun, es beeinflusst die ganze Welt. (Pause. Mildes Kichern.) Sie glauben mir kein Wort, nicht wahr?»</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		</item>
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		<title>True Story!</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 18:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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10. September: 23:45 Uhr: Während im Hintergrund die neue Yoko Ono Plastic Ono Band läuft:
 
Island war ganz grossartig. Bizarr auch, originell, berührend und skurril.


 
Das fängt schon mit dem Reykjaviker Prunkboulevard an, der ungefähr so schmal ist wie eine kleine Vorortstrasse, aber mit allem aufzuwarten hat, was eine amtliche Flaniermeile so braucht. Und dabei, [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal"><strong>10. September: 23:45 Uhr:</strong><span> Während im Hintergrund die neue Yoko Ono Plastic Ono Band läuft:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Island war ganz grossartig. Bizarr auch, originell, berührend und skurril.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Das fängt schon mit dem Reykjaviker Prunkboulevard an, der ungefähr so <span id="more-160"></span>schmal ist wie eine kleine Vorortstrasse, aber mit allem aufzuwarten hat, was eine amtliche Flaniermeile so braucht. Und dabei, wie die ganze Stadt auch, aussieht, als sei er von Björk entworfen, so verspielt und zusammengewürfelt sieht er aus, zwischen 70er-Glasbetonmoderne und niedrigen Bullerbü-Holzbauten in hübschen Seebadfarben. Total charmant eben, nur gänzlich ohne die anstrengende Überspanntheit Björks, die natürlich Nationalheiligtum ist. Und wie alle 300’000 Isländer mit allen verwandt. Wenn Björk, so unsre nette Reiseleiterin vom isländischen Musikexportbüro, von der Oscar-Verleihung nach Hause kommt, wird sie vom Taxifahrer angepflaumt, weil sie ihre Grossmutter noch nicht angerufen hat. True Story!</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wie auch jene von Damon Albarn, der sich ein Haus in der irren vollbemoosten Lavamondlandschaft kaufen wollte, aber einen entscheidenden Findling erst los wurde, nachdem er eine inselbekannte Feenflüsterin um Hilfe gebeten hatte. Die natürlich ein nettes Wort für ihn einlegte, und so wurde es dann doch was mit der Hütte. Die sicher, wie alle Ferienhäuser, die zu haben offenbar isländischer Volkssport wie das Schwimmen ist, bescheiden daherkommt. Selbst des Nobelpreisträgers Halldor Laxness’ Haus besitzt nur den Charme eines gut gelegenen kleinen Reihenhauses und keineswegs eine anderswo übliche Angeberlage und –Grösse.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
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<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Übrigens gibt es am Wochenende auf dem Boulevard nur eher junge Leute bis dreissig, die sich in Hippieläden, Technoclubs für Angestellte in schrillen Minis und H&amp;M-Anzügen und prachtvollen modern improvisierten Elektrodiscos mit Mash-Up und Diplobeats stapeln. Die Alten müssen offenbar alle ins «Thorvaldsen» beim Parlament, um sich zu Ballermannversionen von «Living Next Door to Alice» zu verausgaben. Wie ein Elefantenfriedhof, aber genau so brutal drüber getrunken wie in den jungen Bars und auf der Strasse, die tags wie Friedrichstrasse und nachts wie Friedrichshain wirkt. «Thorvaldsen» teilt übrigens mit der amtlichen Elektrobude «Karamba» die Umräumarbeiten von Restaurant respektive Café am Tag zu Disco in der Nacht.</span></p>
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</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>(Holla, psychedelische Gitarren-Orgie bei Ono, die wilde spitze Schreie zu einem harten Riff stöhnt.)</span></p>
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<p class="MsoNormal"><span>Hab ich schon gesagt, dass Reykjavik total super ist, eine der sympathischsten Städte, die ich kenne? Am Eingang ein tolles Pferdedenkmal, das ich sogar fotografiert habe mit dem Handy.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
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<p class="MsoNormal"><span><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-161" title="Pferdedenkmal Reykjavik" src="http://blog.the-title.com/wp-content/uploads/2009/09/img_0141-250x206.jpg" alt="Pferdedenkmal Reykjavik" width="250" height="206" /></span></p>
<p class="MsoNormal">
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<p class="MsoNormal"><span>Wie Björk kann ich eigentlich auch Pferden nicht viel abgewinnen, auch wenn ich sie beide konzeptuell durchaus nett finde. In Island bekommt man für beides Verständnis, wenn man so durch die tolle Landschaft fährt, mit ihren wilden Wasserfällen, dem kargen gelb-roten Gehügel, den blauen, warmen Lagunenteichen und den Geysir- und Alufabrikendämpfen überall. Kein Wunder, dass alle an Elfen glauben. Nur das Elfenministerium, das hat sich, Islandexperte und Gründungsmythos der Berliner Post-Punk-Künstlergruppe Die Tödliche Doris, nur ausgedacht. Leuchtet aber ein.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
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<p class="MsoNormal"><span>Pleite sind sie auch, die Isländer. Brutal abgestürzt durch die Arroganz und Doofheit der Bänker. Einmal, erzählt Gisli von Iceland, meist in London lebender Bandmanager, hätten sie – True Story! – zu einem Dinner sogar Elton John als Hintergrundmusikanten angefordert, der allerdings trotz fürstlichster Summen kaum die Mühe leistete überhaupt abzulehnen. Was die Geldnasen gar nicht verstehen konnten.</span></p>
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<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Sogar lustig durchgeknallte, irre nette Knurpselbeat-Fricklerinnen wie Kira Kira finden nun, das Finanzdesaster sei nur Ansporn, noch enger zusammenzurücken in der Kunstszene. Ab nächster Woche lebt sie dann in Berlin.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
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<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Island verfügt nebenbei über den einzig komplett dokumentierten Gründungsmythos, ihre alten Schriften, dank der die meisten Isländer ihre Familiengeschichte bis zur Erstbesiedlung vor gut 1000 Jahren zurückverfolgen können. Die ältesten Gebäude sind dagegen grade 200 Jahre alt. Schrift, sagte Anna Hildur vom Musikexportbüro, ist wichtiger als Material. Sexier auch. Deshalb freuen sich alle, wenn sie eine schicke Geschichte zu erzählen haben und sie tun es mit viel Lust. Uptown – als etwas alberne Randnotiz zum Schriftfetisch – gibt es einen Sexshop, der mit der Webadresse pen.is wirbt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ganz zum Schluss erwähne ich noch, dass nach Unruhen im Frühjahr die Konservative Partei abgesägt und eine links-grüne Koalition eingesetzt wurde, die eine offen lesbische Premierministerin anführt. Eine bienenschlagsartig frequentierte Schwulenbar namens «Barbara» liegt günstig im Bermudadreieck Laugavegi/ Bankastraeti, direkt neben oder gegenüber einer kinderprallen Gel-Technobude, einem Ökoladen, der nach zwölf mit den Worten: «Bier ist eh besser» keinen Tee mehr brüht, und dem schicken «Karamba».</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Das Kunstmuseum Downtown, eine von drei Filialen, zeigt unter anderem eine Arbeit von Ari Alexander, der die deprimierendsten Szenen aus Filmen Lars von Triers und seinem isländischen Gelegenheitsmitarbeiter Fridrik Thor Fridriksson zu einem kleinen Film mit deprimierendem Streichquartett zusammengeschnitten hat. Danach ist dann der Sonntagmorgen am Hafen im herbstlich kühlen Sonnenschein ganz leicht.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><br />
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<p class="MsoNormal"><span>Schön auch Yoko Onos neues Album. Morgen das Interview mit ihr.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Volksparteiliches zwischen Strandkörben und Affenmusik</title>
		<link>http://blog.the-title.com/2009/09/05/volksparteiliches-zwischen-strandkorben-und-affenmusik/</link>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 01:19:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[
Letzte Woche ein paar Tage auf Rügen, in Göhren. Was sich als ganz amtlicher Badeort herausstellte. Rausgeputzt, sauber, sehr touristisch, aber nicht unangenehm. Spitzensand und nette Strandkörbe, mit, natürlich, den üblichen Schrebergartenterroristen,die solche Dinge vermieten und grämlich und rüplig drauf achten, dass ihnen niemand das Terrain streitig macht. Bei Verdacht, man wolle einen Korb kapern, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>Letzte Woche ein paar Tage auf Rügen, in Göhren. Was sich als ganz amtlicher Badeort herausstellte. Rausgeputzt, sauber, sehr touristisch, aber nicht unangenehm. Spitzensand und nette Strandkörbe, mit, natürlich, den üblichen Schrebergartenterroristen,<span id="more-151"></span>die solche Dinge vermieten und grämlich und rüplig drauf achten, dass ihnen niemand das Terrain streitig macht. Bei Verdacht, man wolle einen Korb kapern, kommt sofort so ein Kittelträger an und fuchtelt scheuchend mit den Armen. Wenn man ihn anherrscht, er möge sich gefälligst mal zusammenreissen, gibt er allerdings gleich Ruhe.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Davon abgesehen allerdings nicht viel zu meckern. Nur warum sind die alle so übergewichtig? Besser gefragt: Warum müssen die alle andauernd irgendeinen Junk essen? Extrem hohe Fischbrot-Buden/pro qm-Quote. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Etwas weiter weg vom Tourismus-Kern war’s dann gleich nicht mehr so nett und eher so, wie ich es noch von vor etwa 15 Jahren, die Mauer noch nicht lange weg, in Erinnerung habe. Durch die tristen Strassen und Plattenbauzüge von Sassnitz, wo offenbar fast nur NPD zur anstehenden Wahl plakatiert hatte. In Göhren dagegen ganz normal die Volksparteien, die sogenannten. Die schon so verzweifelt sind, dass sie mit den Brüsten ihrer Kandidatinnen werben müssen. Eine Kanzlerin, die ihr Dekolletee als Argument im Wahkampf benutzt – das überrascht dann doch. Wie wird die SPD kontern? Mit Steinmeiers Schwanz? </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Auch nicht besser allerdings die Protestwähler-Deppen, die gegen das hilflose Rudern der intellektuell überforderten und langweiligen Offiziellen das spassterroristische Gehampel von Kasperlefiguren wie Lafontaine oder Gysi setzen, von einer sacht linken, populistisch-polemischen Gesundes-Volksempfinden-Partei, die noch nicht mal ein Programm hinkriegt. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Sommerloch vorbei. «Inglourious Basterds» im Kino. Und Ang Lees «Woodstock». Prima. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Christoph Waltz ist Gott. Und wie er am Ende noch mit gut sichtbarer, jungenhafter Freude sein Italienisch auspacken darf – grosse Dramaturgen-Kunst. Dabei ist das Tolle ja auch, dass Tarantino sein Konzept bis in die Aura der Produktion fortführt, weshalb man ständig an so ein Sixties-Rom denken muss, wo dann zwischen Klaus Kinski und Jean-Louis Trintignant auch Lex Barker und Clint Eastwood herumhängen und gutes Geld für guten Trash verdienen. (Das Kinski unermüdlich in teure Autos steckte, die er dann tapfer zu Schanden fuhr.)</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ang Lee wiederum hat wieder diesen präzisen Blick auf die sozialen Kontexte. Intensive Fremschäm-Momente, wenn die Hippies, die komische Theaterstücke schreien und sich dauernd entkleiden wie früher die Bewohner der DDR, auf die Dorfbewohner treffen. Exakt den dokumentarischen Bildern des Dokumentarfilms nachgestellt. Re-Enactment, sagt man wohl in der Kunst dazu.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Noch im Sommerloch zu Rachmaninoff und Dvorak mit den Berliner Symphonikern. Billiger Platz für die Angehörigen, mit senkrechtem Blick aufs kompetente Orchester. Ich sass also vor den Hörnern und bemerkte dabei erstmals, wie die ihre Instrumente greifen: Sie werden nicht einfach am Korpus gehalten oder an der Schnecke. Sondern regelrecht gefistet, mit der Faust im Trichter. Lustige Obszönität der Hochkultur. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Gestern hatte die Süddeutsche einen Bericht über die Musikalität von Affen. Ein Wissenschaftler hatte nach den Affenlauten Musik komponiert, auf welche die Tiere dann je nachdem aufgescheucht reagierten oder sich besänftigen liessen. Hier der Link zur </span><a href="http://www.news.wisc.edu/newsphotos/musical_monkey09.html" target="_blank">Affenmusik</a><span>.</span></p>
<p class="MsoNormal">«Woodstock» hält ja erstaunlich genau diesen kurzen, winzigen Moment der Utopie fest, eine enorme, eigenartige Naivität, die natürlich den Peinlichkeitseindruck ausmacht. Aber in ihrer Ungeschütztheit auch eindrucksvoll ist.</p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>In diesem Zusammenhang und weil schon die ersten Herbsttage vorüber sind, muss man auch das neue Prefab Sprout Album hören, «Let’s Change the World With Music». Paddy McAloon, der sehr schratig und dandyesk zugleich aussieht und so krank ist, fast blind und tinnitusgeschädigt, in schönster Form. Wer früher Prefab Sprout nicht gut fand, hatte kein Hirn. Wer die Musik heute nicht mag, hat kein Herz.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Gleich zum Flieger nach Island. Elfen, warme Quellen und erkaltete Finanzen kontrollieren.</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>Ohne Katja Flint geht gar nichts</title>
		<link>http://blog.the-title.com/2009/08/11/ohne-katja-flint-geht-gar-nichts/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 01:02:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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«Halt einfach mal die Schnauze und trink ein Bier» – auf diese schlichte Formel brachte heute früh ein Bekannter den Hang zu Vielschreiberei und Geschwätzigkeit. Ich hatte die letzten fünf, sechs Wochen sehr viel zu tun und habe daher lieber den Blog schleifen lassen, als einfach zu posten, nur damit was gesagt ist. Neulich allerdings [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>«Halt einfach mal die Schnauze und trink ein Bier» – auf diese schlichte Formel brachte heute früh ein Bekannter den Hang zu Vielschreiberei und Geschwätzigkeit. <span id="more-144"></span>Ich hatte die letzten fünf, sechs Wochen sehr viel zu tun und habe daher lieber den Blog schleifen lassen, als einfach zu posten, nur damit was gesagt ist. Neulich allerdings habe ich vergessen, diesen Beitrag hier abzuschicken, dessen Thema schon bemerkenswert ist, finde ich. Daher eben jetzt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Fast hätte ich übergangen, dass Bernd «Baader-Meinhof-Komplex» Eichinger Budshidos Leben verfilmt. Mit Bushido als Bushido! Und Moritz Bleibtreu als seinem Berater. Und Hannelore Elsner als Bushidos Mutter. Auch dabei: Katja Flint und Hoover Ochsenknecht (der sich irgendwann für die Namen seiner Kinder Jimi Blue und Wilson Gonzalez entschuldigen muss), ohne die eine deutsche Grossproduktion nicht genehmigt wird. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Regie führt Uli Edel, der ja schon mit «Last Exit Brooklyn» gezeigt hat, wie er sich die Strasse so vorstellt, irgendwie bläulich und bedrohlich und glanzvoll verkommen. Nun also «Last Exit Tempelhof». Eichinger wiederum offenbart ein interessantes Geschichtsbild, das als Gesantkunstwerk irgendwo zwischen Nibelungenlied und Bayreuth eine historische Spur Hitler, Baader und Bushido zu vermuten scheint. Bizarr.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Apropos unwürdig: Letztens habe ich die New York Dolls gesehen und viel Spass gehabt. David Johanson sieht aus wie ein untrainierter Mick Jagger und seine Kumpels rocken irgendwie lustig wie eine Garagenband mit der Aura überlebender Grosshelden. Hier eine kleine Kritik aus der </span><a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0725/feuilleton/0057/index.html" target="_blank">Berliner Zeitung »</a><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Falls übrigens wer die dauernden Verweise auf mein sonstiges Tun seltsam findet: Die Berliner Zeitung hat einerseits ein komplett offenes Archiv, aber andererseits auch eines, dem man nur durch exakteste Suche beikommen kann. Sucht man etwa über Google am Tag einer Kritik nur per Band- oder Künstlername kommt man zwar zu Tagesspiegel, Morgenpost und taz, aber nie zur Berliner Zeitung. Auch mit Band und Berliner Zeitung kommt man selten weiter. Mit Zeitung, Band und meinem Namen vielleicht. Nicht über News allerdings. Das find ich doof. Dieses Wochenende gab es zwei Tage lang das schöne Berlin Festival mit einer Reunion der dufte Housetruppe Whirlpool Productions aus Köln. Im alten Naziflughafen Tempelhof, der jetzt stillgelegt ist, obwohl ich die Idee eines City-Flughafens immer irgendwie charmant fand. Nicht die Anwohner allerdings. Ist zwar langweilig, kann man aber auch wieder verstehen. Jedenfalls stand ich mit den alten Knochen zwei Tage und 18 Stunden lang bei etwa 30 Bands. Daher auch hier der Link zur </span><a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0810/feuilleton/0004/index.html" target="_blank">Berliner Zeitung »</a></p>
<p class="MsoNormal">
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>Laut könnte es werden</title>
		<link>http://blog.the-title.com/2009/07/27/laut-konnte-es-werden/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2009 12:05:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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Ein Nachtrag zum letzten Wochenende, das ich, jedenfalls zum Teil, bei U2 im Berliner Olympiastadion verbrachte, aber einerseits der Arbeit, andererseits des lausigen, lustabschneidenden Wetters wegen bisher nicht weiter ausbreiten wollte:

 
Wofür Stadionrock wie der von U2 gut sein soll, werde ich wohl eher nie begreifen. Klar kann man sich nicht entziehen, wenn knapp 90’000 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ein Nachtrag zum letzten Wochenende, das ich, jedenfalls zum Teil, bei U2 im Berliner Olympiastadion verbrachte, aber einerseits der Arbeit, andererseits des lausigen, lustabschneidenden Wetters wegen bisher nicht weiter ausbreiten wollte:<span id="more-125"></span><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wofür Stadionrock wie der von U2 gut sein soll, werde ich wohl eher nie begreifen. Klar kann man sich nicht entziehen, wenn knapp 90’000 Leute aus einer Kehle singen und offenbar Bonos christliche Erlösungsrhetorik aufs eigene Leben beziehen. Warum aber geht man hin in diese Masse? Schliesslich ist das noch nicht mal ein umstandsloser Technohedonismus, sondern irgendwie ernst gemeintes und ausgestelltes Megagefühl, und sogar mit Überbau. Und schon den Techno-Grossraves konnte man ja skeptisch gegenüber stehen, auch wenn Rainald Goetz immer so toll davon geschwärmt hat (und dabei amüsanterweise gern ein bisschen Jüngerstil geprobt hat).<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Bei U2 gibt es eher billige Kleinstnenner- Melodien, unpolitisch in Liebe aufgelöste Problemsongs und einen grössenwahnsinnigen Sängerschreihals, der sich von jedem Elend der Welt persönlich gemeint fühlt, aber letztlich nur seinen Glauben entgegenhalten kann, intellektuell gesprochen. «Wie würden die Engländer sich fühlen, wenn Michael Jackson ihnen erzählen würde, wie sie ihre Wohnungsmarktkrise managen sollen? Wie die amerikanische Regierung, wenn Amy Winehouse anfangen würde, ihr zu erklären, wie man der Kreditklemme entkommt, und ihr die Leute auch noch zuhörten? Sie wären zutiefst verstört. Zu Recht.» So sprach im Frühjahr die sambische Ökonomin Dambisa Moyo in einem Interview, das die Jugendseite jetzt.de der Süddeutschen Zeitung anlässlich ihres «Glamour-Aid»-kritischen Buches «Dead Aid» mit ihr führte. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>In der Woche vor dem U2-Konzert sass ich im Flieger aus Kopenhagen und las in der International Herald Tribune den Leitkommentar – von Bono, der darin den US-Präsidenten für die Wahl Ghanas als erste Besuchsstation in Afrika lobte.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Vor ein paar Tagen habe ich die Dokumentation «It Might Get Loud» gesehen, die demnächst hier ins Kino kommt. Darin erzählen Jimmy Page, Jack White und der «bedauerlich» (Andrian Kreye in der SZ) benamte The Edge vom Gitarrespielen. Insgesamt eine schöne, durchaus laut werdende kleine Rockdokumentation, Jimmy Page wirkt recht würdig, White interessant gemischt aus Punk und Country-Blues-Nerd. The Edge, lustigerweise ja der Repräsentant der Rebellion der Siebziger – wir erinnern uns: gegen aufgeblasenen Pomp- und Artrock, gegen träg gewordene Monsterbands (auch wie Led Zep und Stones) und Starwesen – erwies sich dabei als völliger Technologie-Freak, der Pedal um Pedal in Reihe schaltete und Effekt an Effekt reihte. Was man live natürlich sehr gut hören konnte, denn sein klares Spiel dringt ja wie die tropfenförmigen Akkorde tatsächlich klarstens (und also schon eindrucksvoll) durchs ganze weite Stadion. Was mir die Songs trotzdem nicht näher bringt und nicht die Riesenshow voll Superlativen (500’000 Pixel-Screen) und der spinnenförmigen Konstruktion für Kameras und Leinwand, die mich an den albernen «Wild Wild West» erinnert hat und den unterleibslosen, megalomanen Gangster. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Nicht, dass Bono ein Gangster wäre. Selbst die Polemik gegen die Steueroasen, in denen die Firma U2 angeblich ihr Geld versteuert, reisst mich nicht weiter mit.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Aber U2 sind eben schon eine Dinosaurier-Band, die ästhetisch und ideologisch schon immer mindestens fragwürdig war. Wobei gegen Spenden und Notfallhilfe natürlich nichts zu haben ist, klar. Aber dahinter steckt ja wiederum auch die amerikanische Verpflichtung, mit dem Privatvermögen zu sponsern und zu helfen. Auch Gangsta wie Jay-Z schieben ja, wie anlässlich Katrinas, schon mal Millionenbeträge rüber und engagieren sich ansonsten in Schul- und anderen Sozialprojekten. Sie geben, weil’s alle tun, nicht so an und fühlen sich entsprechend auch nicht so messianisch und wichtig wie Bono, den man ja ganz im Ernst auf G 8 Gipfel lädt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Auch heute habe ich wieder keine Lust auf «Brüno». Und schau lieber daheim die schöne DVD «Wild Combination» über den 1992 an den HIV-Folgen verstorbenen New Yorker Discoavantgardisten Arthur Russell.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>København (wie wir Eingeweihte schreiben)</title>
		<link>http://blog.the-title.com/2009/07/14/k%c3%b8benhavn-wie-wir-eingeweihte-schreiben/</link>
		<comments>http://blog.the-title.com/2009/07/14/k%c3%b8benhavn-wie-wir-eingeweihte-schreiben/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2009 10:11:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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13.7.2009 / 16:25 Uhr: Wieso eigentlich schafft man es nicht, nach etwa fünf Konzerten zwischen trötendstem Free Jazz aus Sax und Gitarre (wie von Lotte Anker und Fred Frith), tollstem Free Funk Punk (wie von Charles Hayward und seinem Albert Newton Ensemble), hübschen Neo-boppigen Einlassungen im forcierten Frühsechziger Miles-Davis-Stil (wie vom Jens Winther Quartett) und, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span>13.7.2009 / 16:25 Uhr:</span></strong><span> Wieso eigentlich schafft man es nicht, nach etwa fünf Konzerten zwischen trötendstem Free Jazz aus Sax und Gitarre (wie von Lotte Anker und Fred Frith), tollstem Free Funk Punk (wie von Charles Hayward und seinem Albert Newton Ensemble), hübschen Neo-boppigen Einlassungen <span id="more-115"></span>im forcierten Frühsechziger Miles-Davis-Stil (wie vom Jens Winther Quartett) und, sagen wir, einem rundum gelungenen Velvet-Underground-Re-Enactment (von Marie Fisker, Steen Jørgensen &amp; Rune Kjeldsen und ihrem interessanten, dröhnenden Velvet-Rock) oder wahlweise bizarr brummender Elektronik mit verzerrtem Kitschgesang (von Tim Exile) noch mal eben einen Blog zu schreiben? </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>War nur eine rhetorische Frage. Man wird eben nicht jünger und legt sich dann quietschenden Ohrs schon mal ins schmale Bett des recht coolen Hotels direkt im Rotlichtviertel Kopenhagens (oder København, wie wir Eingeweihte schreiben). Selbst die Herrscherinnen der Nacht sind in Dänemark entspannter und lassen einen schon in der zweiten Nacht unbehelligt Spalier laufen, nachdem man sein Fahrrad abgeschlossen hat.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ein Fahrrad hilft enorm über drei Tage Kopenhagen Jazz Festival und etwa 15 Konzerte ab frühem Nachmittag jeweils. Denn einerseits ist Kopenhagen sehr fussgängerfreundlich, andererseits fand ich manche Entfernungen dann doch genau die Spur zu weit, um angenehm fußläufig zu sein. Dazu kommt, dass man bequem sehr gute (auch für grössere Menschen geeignete) Fahrräder mieten kann. Und im Gegensatz zu deutschen Radwegen sind die dänischen Highways sehr klasse, echt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Blöderweise helfen sie nicht gegen sintflutartige Wasserfälle wie am Freitag, wo ich den ganzen Abend klatschnass verbringen musste, weil ich von Yusef Lateef zu Velvet Underground geeilt bin – ein Fussweg von drei Minuten, den ich genauso gut schwimmen hätte können.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Nicht-Jazz-Überraschung (neben dem tollen Elektronik-Frickler Jon Hopkins) war eindeutig die Stadt und ihr beiläufiges Design-Bewusstsein. Wer in so luftiger Umgebung wie dem Skuespilhuset, dem neuen Theater-Glaspalast am Wasser, auftreten darf, der muss inspirierter ans Werk gehen. Im schwarzen Diamanten, der ebenfalls wasserseits gelegenen neuen Bibliothek mit der verdunkelten (schwarzen) Glasfront, liest es sich zweifellos besser als in anderen Buchhallen. Und schöner als im irrsinnig lichten und offenen Neubau des Staatlichen Museums für Kunst und seinem idyllischen Park können Artefakt und Natur nicht harmon- noch konkurrieren. Wobei angesichts der Bilder-Fülle des Museums Asger Jorns – wie gewohnt toll mit viel zu viel Farben und ganz dick geschmiertem Eindruck – «In the beginning was the image« vielleicht doch stimmt. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Sehr schick auch und mir bisher ganz unbekannt: Villem Bjørke Petersen und seine «Romantic Paranoid Landscape» aus den späten Dreissigern. Mit irgendwie psychedelisch orangen Wolken.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Am Jazz Festival wurde der 88-jährige Yusef Lateef von der dänischen Ben Webster-Stiftung geehrt. Mit Urkunde, Ansprache und königlicher Unterschrift, in einem ganz kleinen Konferenzraum, vor sehr wenig Publikum. «Kopenhagen war immer sehr gut zu mir», sagte er und erinnerte sich an den 1973 gestorbenen Webster, der nach Dänemark kam – wie viele Kollegen – weil man dort mit mehr Respekt und Zuneigung behandelt wurde. Dann fing er an zu weinen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span>0:55 Uhr:</span></strong><span> Heute erst habe ich gelesen, dass der sozialistische britische Textrowdy Steven Wells gestorben ist, der mir in den Achtzigern und frühen Neunzigern mit seinen gern versalierten Rants im NME (er hasste eigentlich alles, ausser irgendwie und eigensinnig interpretiertem Punk) immer wieder viel Freude bereitet hat. Vor allem in seinen Kommentaren zu den Leserbriefen. Geschmacksmässig haben Swells, wie Freund und Feind ihn nannte, und ich nicht viel geteilt. Meist stand er auf soundwise- und rhythmisch eher ungelenke Sachen, auf heute nicht ganz zufällig vergessene Bands. Aber ich hätte auch immer wieder gern mit derart dichten Haaren auf den Zähnen geschrieben, und dabei so sehr um das Recht auf Spass und Leben gekämpft. Sehr lustig, militant menschlich. Jetzt hat ihn das Hodgkins-Insekt gefressen. Hier seine letzte <a href="http://www.philadelphiaweekly.com/news-and-opinion/in-extremis/Steven-Wells-Says-Goodbye-49054426.html" target="_blank">Kolumne » </a></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><span>Über drei Wochen ist es her, dass ich schon zum zweiten Mal dieses Jahr des Todes wegen nach Süden fahren musste. Mein Patenonkel. Hat einfach aufgehört. Das habe ich ein bisschen verdrängt. Aber der Juni war ja ein echter Todesmonat, da konnte man sich nicht vor verkriechen. Und überhaupt meint es dieses Jahr der Schnitter wirklich ernst. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>Pixel, Brian Wilson und Mailspam</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 11:35:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus.schneider</dc:creator>
		
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		<category><![CDATA[Markus Schneider]]></category>

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3.7.2009: 11:30 Uhr: Gestern kurz bei der Premieren-Party zur Pornodoku «9 to 5» im «White Trash», auf der Grenze Mitte/ Prenzlauer Berg. Das ich manchmal ok, öfter allein seiner unangenehm grossen Grösse wegen fragwürdig finde, dessen Publikum aber jedenfalls gestern in der angegeliederten Diamond Lounge, recht seltsam war, weil es nämlich aussah, als wäre es [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal"><strong>3.7.2009: 11:30 Uhr:</strong><span> Gestern kurz bei der Premieren-Party zur Pornodoku «9 to 5» im «White Trash», auf der Grenze Mitte/ Prenzlauer Berg. Das ich manchmal ok, öfter allein seiner unangenehm grossen Grösse wegen fragwürdig finde, dessen Publikum aber jedenfalls gestern in der angegeliederten Diamond Lounge, recht seltsam war, <span id="more-111"></span>weil es nämlich aussah, als wäre es direkt vom nebenan gelegenen Youth Hostel herein gestolpert, so jung waren sie, und so europäisch ausländisch sprachen sie. Waren aber alle auf der Gästeliste, wie es schien. Es legten dann aus dem sympathischen Elektroumfeld der Münchner Munk Djs auf, hinter denen und an den Seiten der niederen, rohverputzten<span> </span>Kellerräume mit den vergitterten Tresen Screens standen, auf denen die teils doch recht drastische Doku lief, wobei die primären Merkmale natürlich gepixelt waren, so dass die Damenköpfe und -hintern immer etwas autistisch ins Leere zu ruckeln schienen. Es gab aber auch prima Nachtaufnahmen von L.A. bzw dem San Fernando Tal, das so pornoindustrialisiert ist, dass es schon Silicone Valley heisst. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Es standen also die extrem harmlosen jungen Leute plaudernd vor den harten Pornoschnipseln und überraschenden Hygiene-Übungen wie Sperma am Schneidetisch mit Kleenex abwischen oder gruppenweise grellfarbene Einläufe auf Wiesen herumspritzen. Dazu das Elektro-Uffz-uffz. Kurios. Es gab Beck’s.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ich bin nach einer halben Stunde ins «Astra», Fickhain, Revaler Straße, Hardcore-Jugendghetto. Das «Astra» ist sowas ähnliches wie das daneben gelegene «Cassiopeia», ein Mehrzweckgelände aus Bars und Auftrittsorten, nachbarschaftsfreundlich an den S-Bahngleisen gelegen. Anders gesagt, und auch das kann man rätselhaft finden, eine Art Disney-World für das jugendliche Ausgehvergnügen. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Mir ist das rudelweise Ausgehen der Friedrichshainer Jugend fremd, sie scheinen gerne identisch und homogen zu sein. Dafür gibt es dort aber gute Konzerte. So gestern ab halb zwei, gesponsert von meiner Lieblingsjeansfabrik, die lustige Zotenrap/-toasterin Amanda Blank, die aus dem Umfeld des coolen Diplo of Santogold- und MIA-Fame kommt, und ganz prachtvoll eklektizistische Elektrobeats von den italienischen Crookers mit ihrem Sexgerede vollrappte. Dazu Carlsberg.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Im Lieblingslokal und der kurz kontrollierten Nachbarschaftbar war danach nichts mehr los. (Riesling.)</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><strong>16:15 Uhr: </strong><span>Neulich vor dem Brian-Wilson-Interview: Komisch wie die Geschichtsbesessenheit meines Vaters zwar dazu geführt hat, dass mir noch heute allein die Erwähnung von Namen und Geschlechtern wie etwa «Langobarden» sachte Fluchtreflexe anrät, ich aber andererseits ganz aufgeregt vor dem Telefon sass, als mir der nurmehr historisch wichtige Mann durchgestellt wurde. Und wiederum alle amüsierten Warnungen voll bestätigte und sich als der sprödeste, kürzest angebundene Gesprächspartner aller Zeiten erwies. «I think we’re on overtime» – nach fünf Minuten schrecklicher Einwortantworten. Dafür jetzt endgültig keine sogenannten Phoner mehr (ich hatte mich schon länger geweigert, war aber bei Wilson schwach geworden).</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><strong>16:34 Uhr:</strong><span> Prolegomena zu einer Poetik des Mailspams: Unter dem Betreff «consequential urangutan» schreibt mir paige grayson: «Blutwurst brush» und ich finde das in seiner Zufallsenigmatik irgendwie schön.</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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